VIA ALPINA | VIA JACOBI | JURAHÖHENWEG | VIA GOTTARDO | DEUTSCHLAND | IMPRESSUM | SITEMAP | HOME
Via Gottardo @ Langstreckenlaufen.de
Via Gottardo: Donnerstag Mittag an der Passhöhe des Gotthard
  Unser Lauf über den Gotthard vom 4. bis 10. September 2016  
  Im Sommer 2016 zeichnete sich ab, dass der angekündigte Lauf über die Via Gottardo mangels Teilnehmer abgesagt werden müsste. Bereits in 2013 und 2014 hatten fünf bzw. vier Teilnehmer diese anspruchsvolle, dafür landschaftlich so reizvolle Route absolviert. Nun war Gerd der einzige Melder, doch er sollte schließlich zu seinem Lauf kommen. Wir vereinbarten, den Lauf zu zweit zu starten.

Von meiner Erkundung 2012 und den beiden Durchführungen des Laufs kannte ich die Strecke mit allen Besonderheiten, aber auch die Quartiere und die Möglichkeiten, sich zu verpflegen oder einen Abschnitt mit Bus oder Bahn zurückzulegen. Das nutzte ich für unser Konzept: Gerd würde die Etappen komplett laufen, ich würde davon nur einen Teil absolvieren und - wahlweise vorher oder nachher - mit der Bahn zum Auto mit unserem Gepäck zurückkehren.
 

Sonntag: Von Basel nach Sissach   30 km, 674 m Aufstiege
   
  Am frühen Sonntag Morgen fahren wir von der Rhön nach Basel, checken in der Jugendherberge ein und machen uns startbereit. Gerd läuft los; bei bestem Lauf-Wetter entspannt am Rhein entlang. Ich fahre unser Auto nach Sissach, parke es am Bahnhof und komme Gerd per Bahn bis Pratteln entgegen. Am dortigen Bahnhof treffen wir uns und nehmen uns die verbliebene Strecke gemeinsam vor.  
 
Auf schmalem Weg durch den Wald oder über Treppen und an der Bahn entlang.
 
 
  Montag: Von Sissach nach Zofingen   33 km, 959 m Aufstiege  
   
  Am Montag ist es trüb, und Gerd startet in Sissach bei Nieselregen - doch es sollte bald aufhören und damit der einzige Regen in der ganzen Woche bleiben. Unseren Wagen stelle ich in Zofingen ab und nehme den Zug nach Läufelfingen, wo wir uns nach Gerds Eintreffen den Weg hinauf zum Hauenstein-Pass vornehmen.
Danach führt uns die Via Gottardo nach Olten, wir überqueren die Aare und gewinnen eine kleine Anhöhe mit der Aussicht auf Aarburg (Bild oben), das wir dann bald erreichen. Dort gönnen wir uns eine erfrischende Rast und nehmen dann die verbleibenden Kilometer bis zur JH in Zofingen, unserem heutigen Tagesziel, in Angriff.
 

Dienstag: Von Zofingen nach Luzern   52 km, 865 m Aufstiege
   
  Sonne! Es wird richtig warm, fast schon zuviel. Zunächst noch schattig am Rande des Wiggertals entlang und ab Dagmersellen gemeinsam über den Santeberg nach Sursee (Bild oben). Dann am Nordufer des Sempacher Sees entlang nach Sempach wird es echt sommerlich, und wir nehmen einige der überall verfügbaren Brunnen in Anspruch.  
 
Was tun gegen die Hitze? Kühles Wasser oder ein schattiges Plätzchen!
Immer wieder kommen wir mit Einheimischen ins Gespräch ...
 
   
  Es hilft nichts: Mit der Streckenlänge scheint auch die Temperatur zuzunehmen. Deshalb entscheiden wir uns zu einer Abkürzung und steigen kurz nach Sempach ins bereitstehende Auto. Das bringt uns zur Jugendherberge Luzern, unserem Tagesquartier.  

Mittwoch: Von Luzern nach Gurtnellen   27 km, 817 m Aufstiege
   
  Während Gerd die Fahrt mit dem historischen Dampfer über den Vierwaldstätter See genießt, steige ich zu meinem luftigen Startplatz Niederbauen-Chulm auf 1920m Höhe empor (Bild oben) und starte mit dem Gleitschirm zu einem Flug mit großartiger Aussicht. Rechtzeitig zur pünktlichen Ankunft des Dampfers bin ich danach am Anleger in Flüelen, und gemeinsam starten wir in Richtung Gotthardpass.  
   
 
 
  Weiter geht's entlang der Reuss, vorbei auch am Nordportal des Gotthard-Basistunnels bei Erstfeld. Wir haben auch Zeit, um zu sehen, was rechts und links unserer Route gerade passiert, wie diesen Holzschnitzer mit der Motorsäge (oben), bis wir in Gurtnellen (unten) unser Quartier für die Nacht erreichen.  
   

Donnerstag: Von Gurtnellen nach Airolo 34 km, 1584 m Aufstiege
   
  Am Bahnhof Göschenen waren wir gewarnt worden: In der Schöllenenschlucht seien viele Bauarbeiten und der Fußweg nicht zu empfehlen. Was tun? Schließlich soll dies ein wesentlicher Teil unseres Wegs zu Fuß über den Gotthard sein. Doch es ist halb so schlimm, und die fürsorglichen Schweizer haben sogar für Wanderer einen Extra-Korridor durch die Baustellen eingerichtet.  
   
  Nach dem Aufstieg durch die lärmerfüllte Schöllenen kommen wir nach Andermatt im weiten Talboden. Den gerade bereitstehenden Zug nutzen wir, um rasch nach Hospental zu gelangen, wo die Route auf historischen Saumpfaden (Bild oben) über den Gotthard eigentlich erst beginnt.  
   
  Die Passhöhe des Gotthard erreichen wir mittags und lassen uns von einem freundlichen Touristen am Schild (siehe Titelbild) fotografieren. Dann beginnen wir den langen Abstieg ins Tessin, der uns zunächst durch das steile Valle di Tremola mit den zahlreichen Serpentinen der alten Passroute führt.  
   
  Dann schauen wir hinunter auf Airolo am Nordportal des Bahn- und Autotunnels unter dem Gotthard, unser heutiges Ziel. Mit dem dort am Morgen abgestellten Auto fahren wir zu unserem Quartier in Cavagnano, das uns für zwei Nächte aufnimmt, weil die bisher genutzte Herberge in Airolo leider geschlossen wurde.  

Freitag: Von Airolo nach Giornico 31 km, 697 m Aufstiege
  Heute starten wir gemeinsam in Airolo und laufen rechts und links des Ticino talabwärts. Manchmal auf glattem Weg am Ufer, dann wieder auf steinigen, schmalen Pfaden, die uns zu den Siedlungen an den Flanken der Berge führen.  
   
  Ab Faido läuft Gerd allein weiter, während ich mit dem Zug nach Airolo zurückfahre und das Auto hole. Unser Konzept hat sich bewährt; allerdings sind es bei der Via Gottardo, die entlang der historischen Route verläuft, auch ideale Bedingungen für Bahn- und Busfahrten.  

Samstag: Von Giornico nach Bellinzona 37 km, 657 m Aufstiege
  Gerd startet allein; ich fahre nach Bellinzona, parke und komme ihm per Zug entgegen, sodass wir gemeinsam am Endpunkt unserer Tour in Bellinzona ankommen können. Der Treffpunkt klappt auch, doch die enorme Wärme setzt uns heute wieder zu. Zum Glück nutzt der Wanderweg oft den schattigen Pfad am Ufer des Ticino.  
   
   
  Samstag Nachmittag kurz vor dem Ziel: Wir sehen, was Andere bei dieser Temperatur unter Freizeitbeschäftigung verstehen. Unser gemeinsamer Lauf geht in der Kantonshauptstadt Bellinzona zu Ende; schön war's, auch etwas anstrengend, es gab viel zu sehen und wir sind glücklich, angekommen zu sein.

Nach dem Bezug unseres Quartiers und einigermaßen erfrischt bummeln wir durch die Altstadt, in der ein Street-Food-Festival stattfindet. Dort können wir Hunger und Durst stillen und den erfolgreichen Abschluss unserer Tour feiern, bevor es am Sonntag wieder heimwärts geht.
 
  Im Dezember 2016 aufgezeichnet von Harald Heyde.