Via Alpina @ Langstreckenlaufen.de
Via Alpina: Aufstieg zum Richetlipass
  Unsere Tour über die Via Alpina vom 6. bis 11. August 2017
aufgezeichnet von Roberto Otto
 
  Die Anreise mit Burkhard am Sonntag nach Triesen verläuft unter guten Verkehrsbedingungen problemlos. Wolfgang und Harald finden wir bereits gut vorbereitet auf dem Zeltplatz Mittagspitze. Nach der Begrüßung und dem gemeinsamen Kochen führt unser erstes Briefing zur Änderung unseres Plans. Wegen der schlechten Wetterprognose ab Dienstag wollen wir den Montag für Passüberschreitungen nutzen. Deshalb sollen die Teams am Montag vom jeweils gegenüberliegenden Punkt des Foopasses starten.  
 
Montag: Von Weisstannen nach Elm   22 km, 1.500 m Aufstieg, Wanderzeit 8 h 55
 
  Nach dem Frühstück und Abbau der Zelte dann der erste Schock, als mein Auto wegen entladener Batterie nicht mehr anspringt. Mit dem Kauf eines Starthilfekabels, erfolglosem Eigenversuch und folgender freundlicher Unterstützung eines Autoverkäufers gelingt dann der Start des Motors. Nun sind wir eine Stunde im Zeitverzug, aber auf Grund des stabilen Wetters an diesem Tag kann uns das nicht aus der Ruhe bringen. Der erste Aufstieg mit Harald von Elm zum Pass ist beschwerlich, aber gut zu schaffen. Bei bestem Wetter und super Aussicht habe ich auch meine Premiere, bei Haralds Start zum Gleitflug vom Foopass nach Elm zusehen zu können.
Das Zusammentreffen mit Burkhard und Wolfgang auf der Passhöhe steigert die gute Laune zusätzlich. Während Harald mit seinem Schirm schnell wieder im Tal ist, absolviere ich allein den Abstieg bis Weisstannen bei gutem Laufwetter. Leider ist dieser Weg nur in der Endphase laufbar; an diesem Tag ist es eher ein Bergmarsch über 21,5 km und 1269 Höhenmeter in 5:03 h. Der Zeltplatz in Elm ist einfach, kuschlig, aber ausreichend. Das geplante Bad im Fluss muss wegen starker Strömung und steiler Hanglage leider ausfallen. Eine „Katzenwäsche“ hat dann auch gereicht. Nach einem gemütlichen Grillen entscheiden wir uns für den nächsten Tag für das gleiche gegenläufige Streckenprinzip.  
 
Dienstag: Von Elm nach Linthal   24 km, 1.750 m Aufstieg, Wanderzeit 10 h 20
 
  Wolfgang und ich fahren am Morgen mit meinem Auto nach Linthal und starten in Richtung Elm. Ein gebührenfreier Parkplatz ist schnell gefunden. Bei diesigem Wetter geht es hinauf zum Richetlipass. Bereits am Vormittag zeichnet sich eine Wetterverschlechterung ab. Kurz nach Überquerung der Passhöhe treffen wir Burkhard und Harald, der sich bei einem Sturz leicht verletzt hat. Auch ich sollte die Tücken der alpinen Wege kennenlernen und stürze auf nasser Strecke, doch durch geschicktes Abrollen kann ich Schlimmeres verhindern. Zähne zusammenbeißen, ein Indianer kennt keinen Schmerz. Zur Belohnung treffen wir auf ein einsames Murmeltier in kurzer Distanz, das uns lange und ausgiebig begutachtet. Da wir vom originalen Weg abgekommen sind, kämpfen wir uns einen steilen Abhang hinunter und müssen aufpassen, dass wir nicht in einen der vielen Murmeltierbaue treten. Dann überqueren wir einen Bach, überwinden Elektrozäune und streicheln im Vorbeigehen noch schnell ein paar Esel. Die Via Alpina haben wir nicht wiedergefunden. Auf Abwegen und bei Dauerregen erreichen wir das Ziel nach 5:36 h. Schnell nutzen wir noch die Gelegenheit, um uns am Geldautomaten mit Schweizer Franken einzudecken und finden das von Harald abgestellte Auto. Die Fahrt zum Hotel in Urnerboden verläuft problemlos. Wegen des Wetters haben wir uns für die komfortable Unterkunftsvariante entschlossen. Da es den Nachmittag und die ganze Nacht stark regnet, hat keiner von uns diesen Entschluss bereut. Nach einem guten und preiswerten Abendessen verbringen wir im Vierbettzimmer eine trockene und erholsame Nacht. Auch am nächsten Tag wollen wir einen Pass überqueren und bleiben bei unserem Prinzip, den Pass von zwei Seiten anzugehen und die Partner zu wechseln.  
 
Mittwoch: Vom Urnerboden nach Altdorf   27 km, 1.100 m Aufstieg, Wanderzeit 8 h 30
 
  Heute laufe ich mit Burkhard über den Klausenpass. Wir starten direkt am Hotel. Der Aufstieg (811 m) ist einfach, das Wetter ist mäßig. Auf dem Pass angekommen, ist das Wetter bescheiden und der Wind frischt unangenehm auf. Wir entscheiden uns für eine kleine Kaffeepause und kehren ins Gasthaus ein. Erwartungsgemäß sind wir drinnen allein. Bei diesem Wetter ist hier oben nicht viel Verkehr. Als wir die Höhe verlassen, ist es noch recht unangenehm kalt. Nachdem wir wenig unterhalb den gutgelaunten Wolfgang treffen, reißen die Wolken auf. Na, dann viel Spaß dort oben, Wolfgang! Auf teilweise sehr guter Laufstrecke mit moderatem Untergrund und angenehmen Gefälle (Abstieg 1746 m) verlassen wir die Via Alpina in Altdorf. Burkhard ist enttäuscht, weil er vom Wilhelm-Tell-Denkmal kein Foto machen kann. Da ich heute der Navigator bin, weiche ich wenige hundert Meter zu früh von der Strecke ab, um schnell zum nächsten Campingplatz zu kommen. Bis zum Ziel in Altdorf laufen wir 29,3 km in 4:28 h. Teilweise konnten wir richtig Gas geben. Burkhard und ich erkunden einen alternativen Zeltplatz in Flüelen am Vierwaldstätter See. Harald und Wolfgang folgen uns, nachdem sie ihre Verpflegung wieder aufgefüllt haben. Hier haben wir ausreichend Platz, aber am Abend eintretender Dauerregen und ungünstige Prognosen für den Donnerstag zwingen uns zu erneuter Planänderung.

Foto oben: Nach dem gestrigen Sturz und der anstrengenden Etappe nutze ich das gute Wetter für einen beschaulichen Gleitflug von Eggbergen weit oberhalb des Urner Sees hinunter nach Altdorf. (Harald)
 
 
Donnerstag: Wanderung am Urnersee   ca. 20 km
 
  Heute geht es nicht hoch in die Berge. Dem Vorschlag von Harald für eine Wanderung entlang dem Urner See folgen wir gerne. Nach einem teuren Kaffee im Kiosk in Flüelen besteigen wir das Fährschiff und fahren damit bis Treib. Bei leichtem Regen ist der Anstieg hinauf nach Seelisberg schnell geschafft. Dann wird der Regen stärker und der stufenreiche Abstieg hinab nach Bauen am Ufer des Urner Sees ist dann doch schwieriger als gedacht. Wir hoffen auf ein schnelles Ende, und nach 20 km in 4:12 h erreichen wir den Parkplatz am Hafen völlig durchnässt. Schnell ist der Entschluss gefasst, keinen Zeltplatz anzusteuern, sondern die Jugendherberge in Engelberg. Am Abend kochen wir aus unseren Vorräten draußen, aber mit Überdachung. Später sitzen wir im Aufenthaltsraum der Herberge und besprechen die Lage. Die Wetterprognose wird immer schlechter. Wir entscheiden gemeinsam den Abbruch der Tour und wollen am folgenden Tag heimfahren. Unser Entschluss wird noch einmal bekräftigt, als Burkhard hereingestürzt kommt und uns am Fenster zeigt, dass auf den umliegenden Bergen sogar Schnee liegt. Im Radio hören wir später, dass einige Passstraßen nach Süden für den Verkehr komplett gesperrt sind. Die Heimfahrt ist für uns weniger angenehm als die Hinfahrt, denn wegen der vielen Baustellen und des hohen Verkehrsaufkommens am Freitag Nachmittag brauchen wir über neun Stunden.

Dank an Harald für die Organisation und gute Beratung während der gemeinsamen Tage. Dank an euch, dass ihr mich so kameradschaftlich aufgenommen und mitgetragen habt. Bei Gelegenheit bin ich gerne wieder dabei!

Roberto Otto, im August 2017
 
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